© Gabriele Leikauf - Pfarre Nußdorf am Haunsberg 2017
Die Pfarrkirche St. Georg
Geschichtlicher Hintergrund Obgleich   das   Oichtental   schon   in   der   Bronzezeit   (1900   –   1250   v.   Chr.),   weniger   dann   in   der Urnenfelderzeit   (1250   –   750   v.   Chr.),   aber   wieder   in   der   Hallstattzeit   (750   –   450   v.   Chr.) besiedelt   war,   ist   eine   kontinuierliche   Besiedelung   über   die   Zeitenwende   hinweg   kaum anzunehmen. In römischer Zeit gab es allenfalls einige Lielons 1  am Bergabhang östlich von Nußdorf. Seit      dem      Frühmittelalter      erschlossen      Bayern      das   Oichtental.   Erzbischof   Adalbert   II.   belehnte   Reginbert   mit Nußdorf,    dessen    Geschlecht    später    Ritter    von    Nußdorf genannt   wurde,   das   großen   Einfluss   in   Salzburg   ausüben   sollte.   So   erneuerte   Pfarrer   Heinrich,   ein   Edler   aus Nußdorf,   1331   beispielsweise   die   Nikolauskirche   in   Laufen   und   erweiterte   Laufen   um   Oberndorf,   zu   dem   eine Brücke   über   die   Salzach   führte.   Die   Nußdorfer   hatten   ihr Anwesen   wahrscheinlich   an   der   Stelle,   an   der   heute der Pfarrhof steht. Erste   Meldungen   über   eine   Kirche   in   Nußdorf   stammen   aus   dem   13.   Jahrhundert.   Sie   war   vermutlich   die   Kapelle   dieses Anwesens.   Nach   einer Steininschrift   (im   Allerseelenkammerl   links   oben) 2    wurde   die   heutige   Kirche   im   15.   Jahrhundert   errichtet   (1495),   und   zwar   im   Ausmaß   des heutigen   Mittelschiffes   und   Chores   mit   einem   kleinen   Turm   im   Westen   beim   Portal.   1640   wurde   der   Turm   erhöht.   Damals   hatte die   Kirche zwei Altäre,   einer   war   dem   hl.   Georg   geweiht,   einer   der   hl.   Magdalena.   Seit   1683   ist   die   Kirche   Vikariatskirche   in   der   Pfarrei   Berndorf.   1728 und 1750 wurde die Kirche ausgebaut und erweitert. Seither hat sie zwei Seitenschiffe. Seit 1867 ist sie Pfarrkirche. Am   5. April   1913   fiel   die   Kirche   samt   10   Wohnhäusern   einem   Ortsbrand   zum   Opfer.   In   den   Jahren   1913   und   1914   wurde sie wieder aufgebaut. 1   Lielon = wahrscheinlich ein Wort aus dem Keltischen, das alleinstehendes Gehöft bedeutet. 2   aus dem Buch „Nußdorfer Geschichte und Geschichten“ von Mayregg & Mayregg Das Bauwerk Die   Außenmauern,   die   Säulen   und   der   Turm   (ohne   Turmhelm)   waren   von   der   alten   Kirche   erhalten   geblieben.   Ein   Merkmal   der   alten   Kirche   war,   dass   der   Chor   und   das   Mittelschiff   in   gleicher   Weise   gewölbt sind und der Turm an der Westseite steht (Einfluss der Wasserburger Bauhütte). Karl   Pirich,   der   damalige   Diözesanarchitekt,   hat   den   Wiederaufbau   geplant.   Die   Ausführung   oblag   dem Dombaumeister   von   Linz,   Matthäus   Schlager,   der   damals   gerade   mit   dem   Bau   des   Borromäums   befasst   war. Die   Pläne   für   die Altäre   und   die Ausführung   der   Figuren   sind   das   Werk   Josef   Bachlechners   aus   Hall   in Tirol. Die   Altaraufbauten   sind   vom   Altarbauer   Vinzenz   Pezzei   ausgeführt   worden.   Die   Vergoldung   und   Fassung war   M.   Doser   anvertraut.   Ausführende   Vergolder   und   Fasser   waren   Karl   Gräupel   und   Johann   Ripper.   Die Bilder stammen vom Maler Josef Gold, die Orgel von Albert Mauracher. Möglicherweise hat Johannes Piger die Figur des hl. Georg erstellt. 1986   wurde   die   Kirche   innen   erneuert. Aus   dieser   Zeit   stammt   der Ambo,   den   Diözesanarchitekt   Mag.   Peter   Schuh   entworfen   hat.   1990   wurde der   Turmhelm   durch   einen   Zwiebelturmhelm   ersetzt.   Bauleiter   war   Ing.   Hermann   Aigner   aus   Anthering,   das   Turmkreuz   hat   Architekt   Schuh entworfen. Der Turm ist bis zur Spitze 42 m hoch. ³ aus dem Buch „Nußdorfer Geschichte und Geschichten“ von Mayregg & Mayregg Die Inneneinrichtung Der   Hochaltar   unterteilt   sich   in   mehrere   Ebenen.   In   der   Mittelnische   des   Hauptaltars   steht   die   Figur   des   hl.    Georg, des   Drachentöters.   Links   davon   befindet   sich   eine   Figur   des   hl.   Vinzenz,   der   in   Salzburg   besonders   verehrt   wird, weil   der   Dom   eine   Reliquie   des   Heiligen   besitzt.   Zu   Füßen   des   hl.   Vinzenz   ist   ein   kleiner   Mohr.   Rechts   neben   dem hl. Georg steht die Figur des hl. Leonhard. Er wird in allen Sorgen im Stall angerufen. Darunter sind vier Bischöfe der Salzburger Bischofsreihe dargestellt: 1 . der   hl.   Rupert,   dessen   Bild   ein   Portrait   des   Fürsterzbischofs   Kardinal   Johannes   Baptist   Katschthalers   (1900   1914) darstellt, 2 . der    hl.    Virgil,    der    ein    Portrait    von    Fürsterzbischof    Kardinal    Friedrich    Johannes    Jacob    Cölestin    von Schwarzenberg (1836 – 1850) zeigt, 3 . der   hl. Thiemo,   in   dessen   Gesicht   wir   Fürsterzbischof   Kardinal   Maximilian   Joseph   von Tarnóczy   (1851   –   1876) erkennen, 4 . der hl. Vitalis, der ein Portrait des Fürsterzbischofs Kardinal Johannes Evangelist Haller (1890 – 1900) zeigt. Die beiden Altäre in den Seitenschiffen: In   der   Mittelnische   des   linken   Seitenaltares   steht   die   Figur   der   hl.   Gottesmutter.   Sie   wird   von den Figuren der hl. Barbara links und der hl. Klara rec hts flankiert. In   der   Mittelnische   des   rechten   Seitenaltares   steht   eine   Figur   des   hl.   Josef.   Diesen   begleiten   die Figuren des hl. Franziskus links und des hl. Antonius rechts. Entsprechend zu den Seitenaltären f inden sich in den Fenstern seitliche des Hochaltares Bilder der hl. Gottesmutter und des hl. Josef. Unsere   Pfarrkirche   ist   eine   der   ganz   wenigen   erhaltenen   Kirchen   mit   neugotischer   Einrichtung.   Die   einfachen   Darstellungen   entsprechen   ganz dem schlichten Glauben, den unsere Zeit so nötig hat. Aus dem Kirchenführer von 1997 von Tilman Siebertz, Pfarrer von Nußdorf (1978 – 2001). Gedankt wurde darin insbesondere H. H. Prälaten Prof. Dr. Johannes Neuhardt für wesentliche Anleitungen und Hinweise. Literaturverweise: Joh. Hall / M. Haberl, D. Haunsberg / Geschichte der Stadt Laufen, Salzburg 1854 J. Dürlinger, Historisch statistisches Jahrbuch der Erzdiözese Salzburg, Salzburg 1862 F. Martin / P. Buberl, Die Denkmale des politischen Bezirks Salzburg, österr. Kunsttopographie, Wien 1913 Heinz Dopsch, Hrsgb., Geschichte Salzburgs, Salzburg 1981 – 1983, Autor meist H. Dopsch Heinrich   Koller,   Die   Frühgeschichte   des   Klosters   Michaelbeuern   (Abschnitt   über   die   Besiedelung   des   Oichtentales)   in:   Benediktinerabtei   Michaelbeuern, Dokumentation, Michaelbeuern 1985 Ingo Reiffenstein, Michaelbeurer Ortsnamen, in: Benediktinerabtei Michaelbeuern, Dokumentation, Michaelbeuern 1985 Friederike Zaisberger / Walter Schlegel, Burgen und Schlösser in Salzburg – Flachgau und Tennengau, Wien 1992
Steininschrift 2
Pfarrhof
Grundriss der Pfarrkirche 3
Pfarre Nußdorf am Haunsberg