© Gabriele Leikauf - Pfarre Nußdorf am Haunsberg 2017
Die Filialkirche St. Pankraz
Geschichtlicher Hintergrund Dem   hl.   Pankraz   war   ehedem   die   Burgkapelle   der   Haunsberger   am   Fuße   des   Haunsberges   in   Schlössl geweiht.   Nach   Johann   Nep.   Hall   reichen   die Anfänge   der   Burg   in   das   6.   Jahrhundert   zurück,   erbaut   von   den Voreltern   eines   Huno   oder   Hauno,   dem   Stammvater   des   Geschlechtes   der   Haunsberger.   Möglicherweise   war dort einmal eine Fluchtburg aus der Völkerwanderungszeit oder zumindest aus der Zeit der Ungarnstürme. St.    Pankraz    war    schon    in    der    Bronzezeit    eine    Höhensiedlung    gewesen,    ebenso    in    der    Hallstattzeit, vorübergehend auch um die Zeitenwende. Den   Angaben   von   J.   Hall   entspricht   das   hohe   Alter   des   Namens   „Haunsberg“ 1 .   Die   Burg   Haunsberg   war Stammsitz    des    Geschlechtes    der    Haunsberger,    das    den    Grafen    gleichgestellt    war.    Die    Edelfreien    von Haunsberg     haben     Gerichtshoheit     ausgeübt     und     waren     auch     für   Michaelbeuern   zuständig.   Burg   und   Gericht   gingen   spätestens   1337   an   die Erzbischöfe   über.   Haunsberger   waren   jedoch   auch   nachher   als   Pfleger   dort tätig, jedenfalls ließen die Bischöfe die Burg durch Pfleger verwalten. 1603   wurden   die   Pflegen   Laufen   und   Haunsberg   vereinigt.   Von   da   an   ist   die   Burg   verfallen,   da   der   Amtssitz nach   Laufen   verlegt   wurde.   In   der   Schlosskirche   jedoch   verrichtete   ein   Pfarrer   aus   Berndorf   einige   Male   im Jahr   einen   Gottesdienst,   bis   auch   die   Kirche   mehr   und   mehr   zerfallen   ist.   1693   schlug   der   damals   zuständige Pfarrer   von   Berndorf,   Mennas   Menne,   den   Neubau   der   Kirche   auf   einem   Felsvorsprung   vor   der   Burg   vor, zumal zur alten Kirche eine Wallfahrt bestanden hatte. Die   Zeichnungen 2    für   die   neue   Kirche   tragen   deutlich   die   Handschrift   des   damaligen   Dombaumeisters, Johann   Fischer   von   Erlachs.   1701   entschloss   sich   Fürsterzbischof   Ernest   Graf   Thun,   die   neue   Kirche   auf eigene   Kosten   zu   bauen.   Am   18.   September   1707   weihte   Erzbischofkoadjutor   Franz   Anton   Fürst   Harrach   die neue Kirche. 1   Bedeutung: „Berg des Huni“; urkundliche Erwähnung 790 2  aus dem Buch „Nußdorfer Geschichte und Geschichten“ von Mayregg & Mayregg Das Bauwerk Die   Ausführung   des   Baus   war   Jakob   Huber,   Maurermeister   in   Salzburg,   anvertraut.   Desgleichen   waren   Stuckateur   Josef   Schmidt,   Tischler   Christoph   Stern,   der   Maler Adam   Pürckhman   (Fassung   der   Figuren   und Altäre), der   Bildhauer   Michael   Mandl   (Wappen   am   Portal),   der   Tischler   Balthasar   Kölbl   (Altäre)   und   der Bildhauer   Simon   Fries   (Figuren)   mit   den   Arbeiten   betraut.   Es   fällt   auf,   dass   die   Kirche   zwei   Kanzeln hat,    dies    jedoch    nur    aus    Symmetriegründen.    Die    harmonisch    wirkende,    kreuzförmig    angelegte, barocke Kirche ist eine Nachbildung des Salzburger Domes. Die Inneneinrichtung In   der   Mittelnische   des   Hauptaltares   befindet   sich   auf   einem   verzierten   Postament   die   Statue   des   hl. Pankraz,   eines   jungen,   römischen   Kriegers   mit   einem   Schwert.   Auf   den   seitlichen   Konsolen   die   Statuen des hl. Rupert und des hl. Virgil. Das Aufsatzbild stellt die Heilige Dreifaltigkeit dar. Das   Altarbild   des   linken   Seitenaltars   ist   eine   Darstellung   der   Geburt   Mariens,   am   Aufsatzbild   ist   der   hl. Johannes zu erkennen. Die Statuen sind Bildnisse des hl. Eustachius und des hl. Georgs. Das Altarbild   des   rechten   Seitenaltars   stellt Antonius   den   Einsiedler   dar,   das Aufsatzbild   den   hl.   Paul.   Die Statuen sind Bildnisse des hl. Valentin und des hl. Florian. Das   Hochkreuz   stammt   ebenfalls   aus   dem   18.   Jahrhundert,   ein   lebensgroßer   Christus,   zu   Füßen   einen Totenschädel als Sinnbild dafür, dass unser Erlöser den Tod überwunden hat. Die   Filialkirche   ist   ein   Kleinod   unter   Salzburgs   Kirchen,   ansprechend   besonders   durch   die   harmonische   Gestaltung   des   Innenraumes,   die Stuckaturen, die Putti, die Kartuschen und Ränke, ein zur Feier der heiligen Geheimnisse einladender Raum. Aus dem Kirchenführer von 1997 von Tilman Siebertz, Pfarrer von Nußdorf (1978 – 2001). Gedankt wurde darin insbesondere H. H. Prälaten Prof. Dr. Johannes Neuhardt für wesentliche Anleitungen und Hinweise. Literaturverweise: Joh. Hall / M. Haberl, D. Haunsberg / Geschichte der Stadt Laufen, Salzburg 1854 J. Dürlinger, Historisch statistisches Jahrbuch der Erzdiözese Salzburg, Salzburg 1862 F. Martin / P. Buberl, Die Denkmale des politischen Bezirks Salzburg, österr. Kunsttopographie, Wien 1913 Heinz Dopsch, Hrsgb., Geschichte Salzburgs, Salzburg 1981 – 1983, Autor meist H. Dopsch Heinrich   Koller,   Die   Frühgeschichte   des   Klosters   Michaelbeuern   (Abschnitt   über   die   Besiedelung   des   Oichtentales)   in:   Benediktinerabtei   Michaelbeuern, Dokumentation, Michaelbeuern 1985 Ingo Reiffenstein, Michaelbeurer Ortsnamen, in: Benediktinerabtei Michaelbeuern, Dokumentation, Michaelbeuern 1985 Friederike Zaisberger / Walter Schlegel, Burgen und Schlösser in Salzburg – Flachgau und Tennengau, Wien 1992
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